Die Italienreise des Willi Sommerwerk
(wk) Italien- ein Frühsommermärchen
Eigentlich sollte die Abfahrt ja schon am 22. Mai sein – Fronleichnam. Aber seit Tagen regnet es ununterbrochen so dass wir erstmal in Ruhe gepackt
haben. Der „Gelbe“ ist schon seit Wochen auf Hochglanz und ich möchte ja schließlich nicht „geschlossen“ über die Alpen fahren. Der Wetterbericht
verspricht für den Freitag Sonnenschein bei niedrigen Temperaturen, was meine Laune etwas hebt. Sollte es doch noch gelingen, die Alpen mit offenem
Dach zu überqueren? Aber nein, auch am Freitag Regen…
Samstag, der 24. Mai. Die Wetterfrösche hatten recht. Tatsächlich Sonnenschein bei jedoch mäßigen Temperaturen. Der Koffer und der Trolley kommen i
n den Kofferraum. Mein Iglu- Zelt, die ThermaRest`s, ein Kompakt- Campingtisch und etwas Kleinzeug auch. Die Schlafsäcke werden auf der Rückbank ve
rstaut. Ich habe ja keine KiSi`s, deswegen noch zwei Klappkörbe mit diversen Kleinigkeiten hinein und los geht`s.
Na ja, eine Jacke kann man schon vertragen und auch die Heizung hat was zu tun. Aber wir sind auf dem Weg und meine Frau und ich genießen die Fahrt
und die an uns vorbeiziehende Landschaft.
Bei Kochel geht es zunächst über den Kesselberg, der wegen der vielen Unfälle für Motorräder nun tageweise gesperrt werden muss. Vorbei am Walchens
ee zum alten Brenner. Erst mal tanken, jedoch ist der Unterschied zu den hiesigen Benzinpreisen in Österreich nicht mehr allzu groß. Hinter Brenner
fahren wir zum Penserjoch
Auf dem Pass liegt noch Schnee. Ganz kurz mal aussteigen und dann hinab Richtung Verona. Es ist kühl und kaum Straßenverkehr. Jeder Meter hinab wir
d von etwas Temperaturanstieg begleitet.
Rovereto
In Rovereto sehen wir uns noch das MART, ein modernes Museum mit Exponaten überwiegend italienischer Künstler, an. Leider sind kaum Übersetzungen i
ns Deutsche oder Englische vorhanden, so dass wir lediglich die Bilder auf uns wirken lassen können. Die Architektur des Italieners Mario Botta jed
och ist toll
Es handelt sich ja auch um Italiens wichtigsten Museumsneubau der letzten 20 Jahre.
Nun geht es aber weiter nach Oppeano, südwestlich von Verona. Dort hatten wir vor einiger Zeit ein altes Kloster entdeckt, welches in ein Hotel umg
ebaut wurde (Il Chiostro). Sehr schöne Zimmer und ein wunderbares Ristorante sollten uns den ersten Urlaubstag abrunden. Als wir ankamen hatte das
Hotel jedoch unerwarteter Weise vorübergehend geschlossen und ein adäquater Ersatz war in der Nähe nicht zu finden. So beschlossen wir, nach Mantov
a, der alt- ehrwürdigen Universitätsstadt, weiter zu fahren.
Mantova
Dort würden wir schon eine schöne Unterkunft finden. Leider war das einzige Hotel in der Stadt (Hotel Italia) schlecht und völlig überteuert. Dafür
haben wir in einer kleinen Pizzeria die beste Pizza Italiens gegessen. Als wir gut gesättigt den Heimweg ins Hotel antraten, hat uns ein Platzrege
n überrascht, so dass wir klitschnass im Hotel ankamen. Was soll`s- endlich Urlaub!
Am nächsten Morgen besichtigten wir die wunderschöne Stadt, wo gerade ein Musikfestival stattgefunden hat. Die Stimmung hervorragend, Wetter 1a.
Von Mantova aus nach Maranello, der Heimat von Ferrari
Da gerade Sonntag war und der GP von Monaco stattfand, konnten wir es uns nicht verkneifen auf dem Marktplatz der Tifosi vorbeizufahren. Am Marktpl
atz befindet sich das Forum Enzo Ferrari, ein Kino, auf dessen Leinwand das Rennen live übertragen wurde. Es war voll von Ferraristi uns als wir re
in kamen (der Eintritt ist frei) ist gerade der in Führung liegende Felipe Massa von Strecke gerutscht. Laute Aufregung im Auditorium, so dass wir
es vorzogen, wieder zu gehen.
Passo Radici
Da meine Frau Antonie eine hervorragende Kartenleserin ist, vor der jedes Navi einfach nur blass ausschaut, hat sie mich zum Passo Radici geführt.
Dieser Pass hat eine Anfahrt von 65 km. 65 km Kurve an Kurve, eine wahre Freude.
Auf der Passhöhe angekommen, ging es hinunter in Richtung Toskana. Unterwegs dann Übernachtung in der Albergo Linda, mitten in der Wildnis des Tosk
anischen Apeninns. Wunderbares Abendessen rundete den perfekten Tag ab.
Lucca, Pisa
Am nächsten Tag Lucca und Pisa, eine absolute Pflichtübung für jeden Toskana- Reisenden.
. Von Pisa aus über wunderschöne kleine Pässe nach Livorno. Das Wetter ist hervorragend. Heute würde ich endlich meiner Leidenschaft, der Übernacht
ung im Zelt, frönen können. Was meine Frau meinetwegen alles mitmacht…
Livorno
Auf der sehr engen Küstenstraße hinter Livorno kam eine etwas steile Rechtskurve, die ich ziemlich eng an der Leitplanke angefahren hatte. Plötzlic
h kommt mir ein Bus entgegen, der die Kurve geschnitten hat. Vollbremsung! Ein paar Millimeter vor dem Bus-Seitenteil kam ich zum Stehen, der Bus g
ottseidank auch. Nun war ich etwas eingeklemmt. Rechts die Leitplanke links der Bus…Ein Millimetergenaues Rückwärtsmanöver meinerseits hat mich aus
der misslichen Lage befreit. Dem Busfahrer war dies alles egal. Der hat einfach nur gewartet, bis ich draußen war. Keine Entschuldigung, nichts. N
a ja, nicht ärgern, ist ja noch mal gut gegangen, kein Blechschaden, nicht mal ein Kratzer.
Arrezzo, San Giminaiano, Siena
Nach einer herrlichen Übernachtung ging es über wunderschöne Landstraßen weiter nach Arrezzo
und San Giminiano. Kurz vor Siena entdeckten wir ein wunderschönes Quartier, die Villa Veronica. Äußerst empfehlenswert. Manches Hotel kann sich da
von eine oder mehrere Scheiben abschneiden. Die Adresse: S.P.102 N.3 - Localita' Colombaio, Siena.
Nach der Besichtigung von Siena
ging es mit einer wunderschönen Passfahrt weiter nach Bolsena. Der Lago di Bolsena
hat allerdings seine beste Zeit hinter sich, alles sieht etwas abgeschmackt aus. In der Nacht kam uns dann unser „Freund“, der Regen nach, der uns
fortan begleiten sollte und uns mindestens einmal am Tag heimsuchte.
Bracciano, Rom
Also am nächsten Tag weiterfahrt in Richtung Rom, der ewigen Stadt. Im Süden würde das Wetter doch besser sein. Am Lago di Bracciano fanden wir dan
n das ersehnte Hotel, von dem aus wir mit der Eisenbahn
nach Rom fahren könnten. Der getreue SL stand abgeschlossen im Hof des Hotels, während wir 2 Tage lang Rom erkundeten
Was soll ich sagen, für Rom bräuchte man eigentlich alleine 3 Wochen Zeit und dann hätte man erst einen Teil gesehen. Aber immer wieder überwältige
nd, der Vatikan, die Peterskirche, das Colloseum, das Forum Romanum und nicht zu vergessen der ewig überfüllte Fontana di Trevi. Natürlich haben au
ch wir unsere Münzen geworfen
wir kommen wieder!
Umbrien
Danach ging es über die Berge in Richtung Umbrien. Zwischen Lazio und Assisi ist der Wasserfall Cascada di Marmeri. 160 m tief stürzt Wasser in wil
den Kaskaden den Fels hinab
Auf der engen Straße kam mir ein Fiat Punto entgegen, der ziemlich weit links fuhr (typisch für Italiener). Ein Schlag, mein Spiegel klappte ein, d
as Glas war herausgesprungen. Oh Gott, dachte ich. Ich habe einen Vormopf mit den kleinen Spiegeln. Ich malte mir schon das Szenario aus, wie schwe
r es erden würde, einen anderen zu besorgen. An dem Fiat hingen nur noch Fetzen eines Spiegels an der Autotür. Die Fahrerin meinte es hätte wenig S
inn die Polizei zu rufen. Ihr Spiegel sei kaputt und meiner auch. Ich würde so sagen und sie anders, das brächte doch alles nichts…. Also einigten
wir uns darauf, es dabei bewenden zu lassen. Am nächsten Parkplatz hielt ich an, um mir meinen Schaden näher zu betrachten. Das Spiegelglas war nic
ht gesprungen, so dass ich es wieder in die Fassung drücken konnte. Auch das Gehäuse ließ sich wieder ausklappen, es hatte nicht mal einen Kratzer.
Ist halt ein Druckgussgehäuse, echte deutsche Wertarbeit!
Über Montalcino, der Heimat des berühmten Brunello, ging es dann weiter nach Assisi.
Assisi
In Assisi ein absolutes Muss zur Übernachtung: Camping La Stalla (mit Hotel und einer umwerfenden Grillstation. Dieses Hotel gehört Franco, von dem
ich gleich noch mehr berichten werde.
Nachdem das Wetter besser zu werden schien, konnte ich es mir nicht verkneifen, am Abend noch eine Autowäsche mit klarem Wasser und Leder zu vollzi
ehen. Bewundernde Blicke und Ausrufe „Bella Macchina“ sollten am nächsten Tag die Belohnung sein. Von La Stalla aus geht ein Fußweg zur Eremitage,
in der der heilige Franz von Assisi sein Leben verbracht hat. Eine Pilgerstätte für gläubige Menschen. Hier einige Eindrücke von Assisi
Auch ein kleiner Ausflug nach Montefalco, dem berühmten italienischen Weinort, wird unbedingt empfohlen!
Villa della Cupa – speziell für 107er - Freunde
Am nächsten Tag fuhren wir dann weiter nach Noccera Umbra in der Nähe von Perugia.
Franco, ein ehemaliger Professor für Geschichte an der Universität Perugia, hat dort seine wahre Profession gefunden. Er betreibt eine wunderschöne
450 Jahre alte Albergo, die „Villa della Cupa“. Abends werden im Kellergewölbe die allerfeinsten Gerichte zubereitet und gereicht. Francos beachtl
icher Bauchumfang zeugt von der Qualität seiner Mahlzeiten!
Franco spricht übrigens hervorragend Deutsch und ist ein perfekter Gastgeber. Er hat mir versprochen, dass jeder der 107er Freunde, die ihn besuche
n und dort zwei oder drei Nächte verweilen werden, einen Karton seines köstlichen Rotweins geschenkt bekommet!
Allerdings ist der Weg zu ihm nicht leicht zu finden. Eine ausführliche Beschreibung findet Ihr unter der Website (www.villadellacupa.com)
Gubbio
Am nächsten Tag Besichtigung von Gubbio, einem wunderbaren kleinen umbrischen Ort in dem wir einen Liebhaber alter Autos
getroffen haben.
Gubbio war ein bedeutendes Zentrum der Umbrer. Es war ein Stützpunkt auf dem byzantinischen Korridor, der Rom und Ravenna verband. Im Mittelalter w
ar Gubbio vom Anfang des 12. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts selbständig. Aus der Römerzeit ist das Theater, das zweitgrößte weltweit, erhalten.
Monte Subbasio
Am nächsten Tag fuhren wir von Franco aus auf den Monte Subbasio. Natur aus erster Hand! Am Rückweg dann ein Motorrad- Oldtimer- Rennen
Hat wirklich Spaß gemacht.
Lago die Trasimeno
Na ja, dann hieß es Abschied nehmen von Franco und weiter in Richtung Lago di Trasimeno, wo die Römer einst eine verheerende Niederlage gegen die K
arthager einstecken mussten. 16.000 Tote auf Seiten der Römer! Das Gebiet des Trasimenischen Sees gehört verwaltungsmäßig zu Umbrien, kulturell und
geographisch betrachtet ist es jedoch sowohl Umbrien als auch Toskana. Ich habe dort eine schöne Pagode gesehen (die wohl der Reinhard´s ähnelt),
hinter der ich geparkt habe
Chianti- Gebiet
Über Cortona ging es weiter in das Herz des Chianti- Gebiets, den Monte del Chianti. Eine schöne Herberge mit gutem Essen (Agriturismo Oskar) in un
wegsamem Gelände war die Unterkunft für die nächsten beiden Nächte. Wanderungen im Chianti bargen herrliche Aussichten und Perspektiven
La Vialla
Danach fuhren wir zum Weingut La Vialla in Castillion Fibocci. Dort empfing uns ein wahres Abenteuer.
Wir hatten im normalerweise völlig ausgebuchten Weingut eine Wohnung mit offenem Kamin bekommen, die allerdings einige Kilometer bergauf lag. Mit u
nserem Auto, so die freundlichen Damen, die allesamt hervorragend Deutsch sprechen (einigen kommen auch aus Deutschland), sollten wir jedoch den en
gen Pfad hinauf zum Haus nicht fahren. So stellten sie uns kostenlos einen Fiat Panda
zur Verfügung, in dem wir unser Gepäck und Reisig (zum Anheizen des Kamins) nach oben bringen konnten. Herrliche Aussicht, eine hervorragende Wohnu
ng mit kompletter Vollausstattung, einem Geschenkkorb und offenem Kamin erwartete uns
Einmal in der Woche gibt es ein toskanisches Menü, an dem alle Gäste teilnehmen können
Ich kann dies alles nur wärmstens empfehlen, hier kommt jeder auf seine Kosten!
Nach dem Menü fuhren wir spät abends mit unserem Panda den Berg hinauf als plötzlich eine Wildschweinherde den Weg kreuzte. Obwohl ich von rechts k
am, habe ich vorsichtshalber mal angehalten. Ich glaube die hätten den Panda glatt zerstört!
Florenz
Tagsüber fuhren wir dann zweimal nach Florenz. Meine Gattin wollte doch unbedingt in die Uffizien. Die Venus von Bottichelli war das Ziel ihrer Beg
ierde.
Ich habe noch nie ein so schlecht geführtes Museum gesehen. Die Exponate hängen hinter dickem verschmutztem Glas, so dass die Farben der Bilder nur
zu ahnen sind. Außerdem ist das Gebäude in einem erbärmlichen Zustand. Heere von Menschen drängen sich und es ist ein Trubel wie auf dem Jahrmarkt
. Dafür steht man stundenlang für eine Karte an oder muss Tage vorher reservieren um dann zu einem vorgegebenen Zeitpunkt Einlass zu finden. Fazit:
Es lohnt sich nicht! Aber Florenz ist immer wieder schön. Die lebendige Altstadt am Arno hat schon was!
Dann hieß es auch von La Vialla (www.lavialla.it) Abschied nehmen und den Heimweg anzutreten.
Meine Frau hat wieder wunderschöne Pässe aus dem Chiantigebiet heraus ausgesucht und so ging es dann über die Poebene in Richtung Gardasee. Endlich
wieder mal richtig gutes Wetter, wir würden das Zelt auspacken können
Am Donnerstag, den 12. Juni sind wir nach ca. 4.500 km durch das herrliche Italien bei starkem Regen zur zweiten Hälfte des EM- Fußballspiels Deuts
chland- Kroatien wieder gesund zu Hause angekommen.
Stets haben uns die in dieser Jahreszeit voll blühenden Ginsterbüsche am Straßenrand begleitet. Die volle Pracht der Natur war auf jedem Kilometer
präsent.
Eine herrliche Reise in einem Auto, welches für diese Landschaft wie gemacht ist, hat einen wunderbaren Abschluss gefunden.
Willi Sommerwerk
Text: Willi Sommerwerk/Fotos: Willi Sommerwerk