Auf der Suche nach dem richtigen SL oder: Willy's SL-Welten
(wd) Wie soll mein SL denn nun sein??
Nun, das ist schon fast eine persönliche Frage, hier entscheiden zunächst mal die Forderungen, die man stellt.
Welche Farbe soll er haben, wie hat der Innenraum auszusehen, welchen Motor möchte ich, welcher passt zu meiner Fahrweise, will ich schalten oder schalten lassen, soll er möglichst preiswert erstanden werden oder will ich lieber einen Groschen mehr hinlegen, wie viel Unterhalt bin ich gewillt, für ihn zu zahlen und so weiter.
Hier sind Zeitgenossen, denen das alles ziemlich egal ist, klar im Vorteil. Sie kaufen das Auto, welches ihnen am günstigsten unter die Finger kommt, ....von finanziellen Standpunkt her, nicht die schlechteste Art einen 107 zu erwerben. Diese Leute haben einfach nur Spaß am Auto, es muss laufen, sie wollen nicht durchbrechen oder bei Regen ihn ihm ertrinken, sie möchten auch keine Unsummen in dem Wagen versenken, nein, fahren und Spaß machen muss es.
Problematisch wird es, wenn wirklich alles passen muss, Farbe, Motor, Ausstattung, Laufleistung, Historie......hier ist immer mit tüchtigem Aufschlag zu rechnen.
Fangen wir aber mit den Motoren an, sicher, auch sie sind irgendwo Geschmackssache, der Eine bildet sich ein, nur ein V8 mache ihn Glücklich, ein Anderer meint, der M110 sei die Verheißung schlechthin, und ein Dritter beharrt auf einen Schaltwagen mit dem M 103, weil er relativ modern, im Schadensfall gut zu bekommen und im Unterhalt unproblematisch ist.
Der 280er ist ein recht ruppiger Geselle in der 107 Familie, er tut mechanisch kund, was er dort vorn unter der Haube grad anstellt, wird er gefordert, dann hört man es ihm an. Schön sieht er aber aus, mit seinem Aluminiumventildeckel, man könnte meinen, einem Alfa unter die Haube zu sehen. 200 Sachen und eine angemessene Beschleunigung kann er auf jeden Fall bieten, relativ moderater Spritverbrauch und auch die Steuerbehörde langt nicht gar so doll zu.
Mit handgerührtem Getriebe ausgestattet, bringt er viel Fahrspaß, wenn sich die Handmixer auch ein wenig tranig anfühlen, ist man doch mit etwas Übung in der Lage, sie flink zu beherrschen.
Als Nachfolger wird man den 300er nennen, er hat in etwa dieselben Leistungsdaten, bringt die Pferdchen aber leiser und geschmeidiger zum laufen. Der M103, ich fahre ihn in meinem Kombi und durfte ihn auch schon Hand und Automatisch geschaltet im 107 erleben, ist ein feiner Motor, akustisch sehr unauffällig bis er Leistung zeigen muss, dann klingt er zornig und hat etwas von einer Turbine, kraftvoll schiebt er den schweren Wagen zügig über die 180er Marke um dann langsam aber sicher sein Zenit bei knapp 200 Km/h zu erklimmen. Meiner Ansicht nach, auch wenn der Motor sich eher bieder zeigt, die vernünftigste Art einen 107 zu fahren.
Nun die kleinen V8, die beginnen bei dem 350 mit 200 PS. Ein echter Sportler, wenn auch nicht viel kräftiger als die Vorgenannten, so ist es aber dennoch spürbar, das dort vorn einige Kubikzentimeter mehr bei der Arbeit sind, es drückt einfach besser und es klingt auch besser, es ist halt ein 3,5 Liter. Und die kräftigste Möglichkeit, einen 107 mit Handschaltung zu bewegen.
Alles ein wenig besser bei geringerem Verbrauch konnte der 380, der bis Ende 81 gebaut wurde, eine richtige Sportskanone die dem sportlichen Fahrer viel Freude bereitet!
Damit war es 1982 aber leider vorbei, Spritsparen war die Devise und so ging man bei, ihm die Krallen zu stutzen, die Leistung sank von 218 auf 204 PS und es wurde aus dem Sportler ein ausdauernder Wandersmann. Man hatte die Bohrung reduziert und den Hub verlängert, das schafft Durchzug und nimmt Drehfreude, damit aber nicht genug, eine ellenlange Übersetzung spart zwar Sprit, nagt aber nochmals an den Krallen der Leistungsfreude.
Dies führte später zum 420SL, der im wesentlichen die alte Bohrung des 380er mit dem langen Hub der späteren 380er Modelle vereinte und so auf knapp 4200ccm kam. Allerdings ist auch er ein eher ruhiger Wandersmann und dem Ur 380er in der Leistungsentfaltung unterlegen, (mein persönliches Empfinden nach einer Probefahrt, geht alles ruhiger ab als im Ur 380) es sind nun eher ruhige aber dennoch kräftige Reisewagen geworden.
Der 450 ist ein alter Kämpfer, etwas raubeinig und von kraftvoller Erscheinung, er pfeift auf 4 Gangstufen und schiebt einfach mit der Kraft seines Hubraumes durch die 3 Fahrstufen voran, dumpf grollend geht es in jeder Lage vorwärts, das er sich dabei angemessen verköstigen lässt, mag man dem alten Boliden verzeihen. Auch gegen einen 500er macht er eine ausgesprochen gute Figur, allein auf kurzen Parkplatzrennen am Rhein* vermag er nicht ganz Schritt zuhalten mit dem
500er, der hat halt mit seinen 240 gesunden Pferdchen und 4 Fahrstufen einen leichten Vorteil, vor allem, wenn es die erste Ausführung ist, (die ich mein eigen nenne) und noch über die einzig wahre Übersetzung verfügt. Da geht die Post schon ganz ordentlich ab!
Später, Ende 81 wurde es auch hier ruhiger, denn auch beim 500er war Benzin sparen angesagt, die Übersetzung wurde schon arg lang und einige Pferdchen verschwanden ebenfalls, später kamen wieder einige hinzu so das sich vorn unter der Haube 245 von ihnen versammelten. Die Spritzigkeit der ersten Serie geht aber auch ihnen ab.....
Die US-Versionen zu fahren hatte ich noch nicht das Vergnügen, laut Engelen sind sie alle ein wenig in der Leistung kastriert, der 560er soll nahe an den Fahrleistungen der 500er liegen, ein 380 ist in den USA mal mit einer Höchstgeschwindigkeit von 176 Km/h getestet worden!
Dennoch, für Leute die lieber gleiten statt rasen und mit der anderen Optik zurecht kommen, eine Alternative. Meine Frau hatte mal ein Golf – Cabrio mit 72PS und wir sind damit auch überall hin gekommen.
Zur Karosserie ist schon viel geschrieben worden, deshalb nur kurz.
Je besserer Gesundheit sie sich erfreut, desto fülliger wird das Bankkonto des 107 Eigners bleiben, der solche Arbeiten außer Haus geben muss.
Wer halbwegs mit einem Schweißgerät umgehen und eine entsprechende Räumlichkeit für diese Arbeiten hat, ist klar im Vorteil!
Wachen Blick sollte man auf den vorderen Querträger, (das Ding an dem die Stoßstange hängt) auf die Spritzwände und die Kotflügel haben, (Bereich rund um die Lampentöpfe, ansonsten alle Stellen, die von den Reifen mit Straßendreck bedacht werden) die Schweller, (hier richtig in Tieflage gehen und lange schauen) und auch das Heckblech betrachten.
Die Radläufe sind hier noch das geringste (Schweiß) Problem, bei der Montage von Radlaufchrom ist trotzdem Vorsicht geboten, er kann einfach nur zur Verzierung angebracht sein, leider aber auch zur Verdeckung von Rost! Oftmals entsteht der Rost aber auch erst durch ihre Montage.
Warum? Nun, es müssen Löcher gebohrt werden, die vor Gammel zu schützen gar nicht so einfach ist,..... und dann wütet es im Verborgenen.
Rost an den Heckblechen unter der Stoßstange hingegen ist auch für den Laien keine große Sache, er geht nach DC und kauf die drei Teile halt neu und trägt sie zum Lackierer.
Sie sind hinter dem Gummi der Stoßstange ans Auto geschraubt und ebenfalls mit Schrauben untereinander verbunden, keine große Sache, einige Schraubenschlüssel und Schraubendreher und die Sache wird wieder rund.
Die vorderen Kotflügel kann man zwar auch abschrauben, doch da geht es, wegen der wahrscheinlichen Folgeschäden, schnell in Richtung einer Komplettrestauration!
„Er hat vorn auf dem Kotflügel und unter der Heckscheibe nur zwei, drei kleine Bläschen“,
ist auf den ersten Blick keine große Angelegenheit, doch ich würde eine deftige Beule im Seitenteil diesen Bläschen immer den Vorzug geben!
Also, achtet auf diese kleinen, unheilverkündenden Bläschen, achtet auf wellenförmige Blechteile, klopft das Blech unten herum gut ab und lasst euch keinen vom Pferd erzählen weil der glänzende Lack euch blendet! Nehmt euch die diversen Kaufanleitungen zur Brust, (hier, Klub und Sternzeit) studiert die Bilder in der Rostgalerie, (Sternzeit) nehmt einen mit, der sich wenigstens halbwegs auskennt, dann habt ihr schon mal einen kleinen Teil zu eurem Autoglück beigetragen. Das Auto ist rundum aus Blech, ein kleiner Magnet sollte an jeder Stelle in der Lage sein, sich selbst am Blech zu halten!!
Unten drunter ist allerdings sehr viel Karosseriemasse zum Einsatz gekommen, da kann der Magnet schon einmal versagen obwohl alles gesund ist. Leider verdeckt diese Masse unter Umständen aber auch schwerste Verletzungen der Bodengruppe....
Die Technik an sich ist relativ unkompliziert, kann aber doch schon mal rauchende Köpfe verursachen, da gibt es Kaltlaufregler, Luftmengenmesser, Steuergeräte und vieles mehr. Die dicken Motoren haben einiges an Technik zu bieten, vergesst nie, es sind keine Käfermotoren.
Der Schalplan ist ein recht umfangreiches Werk an dem man, ist man nicht wirklich firm, zerbrechen kann.
Die Preise für die Autos schwanken derart stark, wie ich es noch nie bei einem Fahrzeug gesehen habe, da traf ich jemanden, der hat für einen famosen 280er schlappe 10 000 Euro bezahlt und ein gutes Auto erworben, es war aber auch schon jemand hier bei mir, der fuhr mit seiner 20 000 Euro – Grotte fast weinend vom Hof.....Glück und Leid liegen beim 107 sehr dicht nebeneinander!
Die Teuersten sind meiner Erfahrung nach die jungen 300er, liegt wohl an den überschaubaren Kosten.....aber auch bei denen kann Böses lauern, lasst euch nicht vom Baujahr blenden, ein oller 280 von 1976 kann unter Umständen die bessere Wahl sein!
Die Preise,
da bietet ein Händler einen, (vermeintlich) guten Wagen für 22000 Euro an,....was glaubt ihr, was er dafür bezahlt hat? Ich habe nichts gegen Händler, doch Geiz ist Geil und wenn man Geil sein will, dann sucht man sich einen privaten Verkäufer und streicht die Differenz zwischen An und Verkauf selber ein.
Und lasst euch nicht von den Perfektionisten bekloppt machen, ein 107 fährt auch dann schön, wenn er nicht perfekt ist!
Chamäleon 107
Als kleinen Nachschlag einige Gedanken über die persönlichen Geschmäcker beim 107 und wie ihre Anwendung beim Kauf zu beachten ist, wobei es mir fern liegt, den Besitzern etwas aufzuzwingen, es ist meine Sicht der Dinge.
In der Vergangenheit wurde viel mit dem 107 angestellt, zum Teil gehen die Eigner auch heute noch bei, ihn nach eigenem Geschmack umzuformen, wenn auch moderater als noch vor 20 oder 25 Jahren.
Früher wurden die Autos mit Spoilern, Frontmasken und Schwellerleisten bestückt, keine preiswerte Sache und manchmal sogar nett anzusehen. Ich finde, diese Fahrzeuge sollte man ebenso erhalten, wie ein streng serienmäßiges Auto. Sie sind Zeugen einer Zeit, in der es für einige Zeitgenossen das höchste Glück war, einen solchen Exoten zu besitzen, es war halt so und sollte auch so in die Zukunft gerettet werden!
Akkurat gemacht, kann ich einem solchen Umbau durchaus etwas abgewinnen, mit der passenden Lackierung betrachte ich solche Fahrzeuge mit Wohlwollen, erinnern sie mich doch an vergangene und überwiegend schöne Zeiten, aber beginnen wir mal vorn.
Der 107 kann, in den entsprechenden Farben durchaus modern daher kommen, nehmen wir mal einen 107 in einer aktuellen Farbe, (z.B. Schwarz, Silber, Rot, Dunkelblau) dazu die Kanaldeckel und dezentem Innenraum. Hier präsentiert sich ein älteres aber keineswegs nostalgisches Auto, es macht einen durchaus zeitgemäßen Eindruck auf seine Umgebung.
Ein solcher Wagen kann die serienmäßigen Kanaldeckel ebenso tragen wie 16zöllige BBS oder gar die modernen AMG in 17 Zoll. Einzig die Softline, diese Dinger, (meist 5 dünne runde Speichen) die für kleines Geld in den Zubehörläden angeboten werden passen nicht so recht ins Gesamtbild des Autos, seine Felgen wollen ein gewisses Volumen haben um optisch zu passen, die „volumigen“ Borbet A jedoch, die meinen beim Kauf zierten, möchte ich auch eher in die Kategorie „unschön“ verbannen. (entschuldige Günna)
Über den serienmäßigen Spoiler auf dem Heckdeckel mag ich mich hier nicht mehr auslassen, nur soviel, das ich mich, zumindest bei hellen Fahrzeugen an ihn gewöhnt habe und ihm sogar ein wenig unbeholfene Sportlichkeit abgewinnen kann. Die großen Nachrüstteile vom Format eines Stehtisches finde ich eher unpassend, es sei denn, sie sind kombiniert mit der Eingangs erwähnten Rundum-Verspoilerung und fügen sich harmonisch in das Gesamtbild, (z.B. König) ein.
107 mit Barock oder radkappenbestückten Stahlrädern rangieren eine Epoche weiter unten, ihnen sieht man der Klassiker schon eher an, ein hauch Nostalgie macht sich breit und kommt dann noch die passende Farbe dazu, ein Braun oder Goldton, ein frühes Grün, sei es Silberdistel oder gar dieses Froschgrün, (Farbnummer ist mir grad nicht präsent) mit der passenden Innenausstattung, dann haben wir meines Erachtens schon einen richtigen Klassiker, denn der Eindruck den er auf den Betrachter macht, ist ein völlig anderer als beim Serien 89er in Blauschwarzmetallic.
Bei diesen, schon aufgrund ihrer Farbgebung nostalgisch daherkommenden Fahrzeugen würde ich auf jede optische Modifikation verzichten, hie ist, genau wie bei den (gut gemachten) Umbauten schlichtes Erhalten angesagt.
Listen wir mal kurz auf, was an optischen Modifikationen ohne Misshandlung der Substanz gemacht werden kann und auch beim Kauf ohne Wertminderung akzeptiert werden könnte und auch, was man, je nach Geschmack und handwerklichem Geschick eher umgehen sollte.
Da sind die Räder, egal was drauf ist, kein großes Problem solange sie unter die Kotflügel passen. Die Originalräder, seien es Barock oder Kanaldeckel sind noch relativ gut zu beschaffen, lediglich bei Stahlfelgen und Radkappen könnte es etwas enger werden, unmöglich aber auch nicht. Manchmal kann man die Zubehörräder gut verkaufen, so das kein oder kaum ein finanzieller Schaden entsteht.
Lenkräder werden ebenfalls gern getaucht, dieses serienmäßige Baggerruder ist halt nicht jedermanns Sache, aber auch hier, abgesehen von den sehr frühen Modellen, gut zu besorgen. Auch hier sind die Nardi oder Silberpfeil Steuer gut an den Mann oder die Frau zu bringen.
US-Lampen können sehr einfach gegen die deutschen Versionen getauscht werden, ist lediglich eine kleine finanzielle Aufwendung, weil auch sie noch gut erhältlich sind.
Schwieriger wird es aber, wenn die Radläufe gedengelt wurden damit die Walzen nicht schleifen. Ein guter Ansatz für Rost und wenn unschön gemacht, kein toller Anblick.
Auch Front und Heckspoiler machen Arbeit, wenn sie verschwinden sollen, hier sind auf jeden Fall Löcher in die Karosse gebohrt die verschlossen werden wollen, anschließende Lackierung ist natürlich auch erforderlich.
Radlaufchrom erfordert, wie schon erwähnt, Borungen in die Karosse und drückt mit der Zeit auch den Lack ein, so das in der Regel eine Lackierung erforderlich werden könnte.
Ganz Übel wird es aber, wenn ein Zender - Rundumverspoilerungsmodell wieder auf Original gebracht werden soll! Mal abgesehen von dem Gammel, der sich dort im Verborgenen, gefördert von allerlei Bohrungen, hemmungslos entfalten kann, ist zu bedenken, das manchmal die Stoßstangen verstümmelt wurden, damit der Krempel passt!
Allein der Preis für die Gummileiste an der Stoßstange kann bei empfindlichen Gemütern schon für einen kurzen Herzstillstand sorgen!
Wer sich also für einen verspoilerten interessiert, der sollte es um der Verspoilerung willen tun und diese, natürlich nach einer Demontage mit Rostvorsorge, montiert lassen. Ständige Aufmerksamkeit bei Treffen ist ihm dafür gewiss, mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet auch für nette Unterhaltungen gut.
Von tiefergelegten, mit Sportfahrwerken bestückten 107 rate ich eher ab, (entschuldige Jürgen) sie sind mit ihrer ungesunden Härte einfach nicht mein Geschmack, zudem bin ich überzeugt, das Karosse und Fahrwerk mehr als erforderlich darunter leiden.
Das Breitreifen die Lager schneller zerstören als Normalreifen, liegt in der Natur der Sache, die Belastungen sind halt höher, die Schäden, so sie denn wirklich auftreten, sind auch finanziell in der Regel gut beherrschbar.
Gruß Willy
Text/Fotos:
Willy Damrath