Harte Zeiten (Oder: Ein kleiner Erfahrungsbericht mit dem Hardtop)
Holzwickede (ps) Schweden gehört nicht zu den bevorzugten Reisezielen, wenn man sich zur reinen Cabriolet-Fraktion zählt. Zum einen, weil es in Schweden (angeblich!) so viele Mücken gibt, und zum anderen, weil mit dem „hohen Norden“ meistens auch sibirische Temperaturen oder zumindest Regenwetter assoziiert wird.
Ersteres (die Mücken) ist wahr (bei warmen und gutem Wetter), letzteres (die Kälte und Regen) leider auch (dafür gibt es dann weniger Mücken). Dennoch ist Schweden mein favorisiertes Reiseland, weil man dort noch wirkliche, richtige Ruhe genießen kann.
Nun, aus oben angeführten, einleuchtenden Gründen mag man nur bedingt mit dem Cabriolet ins Land der Elche fahren. Was aber tun, wenn man dennoch mit dem 107er die weite Reise unter die Räder nehmen möchte? Richtig, wir wählen das Coupe, und zwar in der Form des R107 mit Hardtop (meiner Meinung nach eh das schönere Coupe!). Wir kombinieren also die Flexibilität unseres Cabriolets mit der (relativen) Ruhe und der Stabilität eines Coupes. Ich möchte im folgenden nicht näher auf die Montage des Daches eingehen (das ist eingehend an einschlägiger Stelle beschrieben, nämlich der Betriebsanleitung), sondern mich auf einen Erfahrungsbericht beschränken. Nur so viel: Die Montage ist so kinderleicht wie die Reise angenehm werden sollte.
Und in der Tat: Es reist sich angenehm mit dem harten Dach. Die Windgeräusche werden nahezu auf ein normale Limousinenniveau gesenkt, die gewohnten Fahrgeräusche, die man mit dem Softtop noch ungefiltert hinnimmt, werden zum großen Teil nur noch gedämpft an die Besatzung weitergegeben. Diese bestand auf meiner Reise aus 2 erwachsenen Personen und einem erwachsenen Hund auf der Heckablage (Siehe Bild). Auch mir kam das Dach trotz meiner 1,95 m nicht in die Quere, dank Sitzhöhenverstellung hatte ich genügend Kopffreiheit, um auch bei einer schlechten Wegstrecke nicht mit Beulen am Haupt rechnen zu müssen. Bekannterweise bietet das Hardtop ja noch ein bißchen weniger Platz als das Softtop...
Das –in der Praxis kaum spürbare- Minus an Platzangebot machte das Dach aber mit einem deutlichen Plus an Stabilität wett. Verwindet sich ein 107er eh schon sehr wenig (im Vergleich zu einem anderen Fahrzeug aus meinem Fuhrpark...), so hatte man mit dem Hardtop das Gefühl, in einem Tresor zu sitzen. Kein Schütteln. Kein Wackeln. Kein Verwinden. Einfach ein stabiles Auto! Dazu dann noch das gute Gefühl, das Auto auch z.B. auf der Fähre nicht einfach einem mit einem Messer bewaffneten Langfinger schutzlos auszuliefern zu müssen.
Am Zielort angekommen wurde dann beim ersten Sonnenstrahl das Hardtop abgenommen und auf den mitgeführten, klappbaren Wiesmann-Hardtopständer gestellt. Auf dessen Rollen wurde das Dach nun regensicher untergestellt und wartete fortan auf die Heimreise.
Unterdessen vergnügte sich die Besatzung mit dem offenen Roadster (insofern es Sonnenwetter gab, ansonsten bewegte man sich per Pedes im Wald auf der Suche nach Pilzen...), bis schließlich wieder der Tag der Heimreise nahte. Kurzerhand das Hardtop aufgesetzt und die Heimreise angetreten.
So gesehen waren es keinesfalls „harte Zeiten“, sondern der Gebrauch des Stahldaches erwies sich als komfortable und flexible Lösung für eine Reise von insgesamt über 2000 Kilometern. Die nächste längere Fahrt wird sicherlich wieder mit dem Hardtop absolviert werden!
Peter Steckel
p.s. Weitere Bilder gibts auf Wunsch per mail bei mir
Text/Fotos:
Peter Steckel