Nun ist es tatsächlich geschehen: Er ist weg.....
Nach 15 Jahren habe ich mich letzten Sonntag von meinem 500er SL getrennt.
Es ist das Ende der Ära, in der ich es toll fand, ein historisches Fahrzeug (ja, eher älter als historisch) zu besitzen, zu pflegen, zu verbessern und zu genießen.
Es ist nie langweilig gewesen, vielleicht war das auch einer der Gründe für den Verkauf: Jedes Jahr, wenn ich ihn zu Saisonbeginn aus dem Winterschlaf erweckte, war irgendwas, was auffiel und gemacht werden musste. Manchmal Kleinigkeiten, manchmal Dinge, die mir tierisch auf den Senkel gingen. Und jedes Mal, wenn ich mir vornahm, an diner Oldtimer-Rally, -Ausstellung oder sonstigem Event teilzunehmen, war irgendwas Auffälliges, was zuerst gemacht werden musste.
Anfangs konnte ich es kaum erwarten, wenn der Tag ein sonniger zu versprechen schien, den Weißen aus der beheizten und gut belüfteten Garage zu holen und die Sonne dirket zu genießen. Der sonore Klang des V8, die souveräne, unaufgeregte Kraftentfaltung, das Leistungspotenzial, wenn es mal gewünscht war. Auch die Ausfahrten mit meiner Frau zu einem Sonntagsausflug waren schöne Momente, an die ich mich gern erinnere. Dann war der SL auch länger das Fahrzeug mit den meisten PS in unserem Fuhrpark. Ich gehöre zu den eher zügigen Fahrern und habe auch diese Eigenschaft des 500ers genossen.
Nun ändern sich Dinge und Zeiten. Heute hat bereits ein VW Arteon R (mein letzter Dienstwagen) mehr PS und eine bessere Leistungsentfaltung bei 1/3 weniger Spritverbrauch, hat dazu alle elektronischen Herlferlein, die ich nutze und genieße, und fährt einfach ohne dass ich ich um irgendein technisches Wehwehchen kömmern müsste.
Was mich auch zu einer Trennung veranlasste war, dass die Schrauber, auf die ich mich anfangs verlassen konnte und die mir im Fall der Fälle geholfen haben, nicht mehr da sind oder nicht mehr zum Schrauben an meinem Auto zur Verfügung standen. Habe zwar andere gefunden, allerdings weiter weg und der Aufwand war vergleichsweise höher.
Genervt und ärgerlich gemacht haben mich in den letzten 3 Jahren die Ölundichtigkeiten. Zuerst das leidige Getriebe-Ölmesstabrohr, an dessen Verbindung die Dichtung zweimal undicht war. Im Frühjahr also ein Ölleck unter dem Auto. Dann die immer etwas feuchte Motor-Ölwanne. Die wurde schließlich nach nicht erfolgreichem Dichtungswechsel durch eine neue von Mrcedes ersetzt. Dann schwitzte das Differential mehr als ich mochte - also auch das neu abgedichtet. Und in diesem Frühjar eine riesige Öllache, mehr als 1 m Durchmesserunter dem Wagen ![]()
. Wellensimmerring Getriebeausgang und Motorausgang gewechselt. Dann auf der ersgten Ausfahrt mit endlich öldichtem Fahrzeug fielen die Bremsen zum wievielten Mal durch Zwitschern auf. Nachdem im letzten Jahr die vorderen Bremssättel überarbeitet worden waren stand diese Arbeit nun bei den hinteren an. Das Wechseln der Ventildeckeldichtung, die auch etwas schwitzte, wurde dabei gleich mitgemacht.
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Es machte mir zunehmen Unbehagen, wenn ich zur Garage ging, um den SL rauszuholen. Was würde er mir jetzt wieder mitteilen, was ich zu tun hätte ....
Also entschloss ich mich, eine Verkaufsanzeige zu starten und mit einem etwas ambitionierteren Preis zu sehen, ob sich darauf jemand melden würde. Es gab zwei Reaktionen innerhalb 3 Tagen. Einer wollte die komplett Historie mit abgestempeltem Serviceheft und konnte sich nicht vorstellen, dass ein nach Auslieferung in D nach Japan exportierter SL tatsächlich weniger Rost haben würde als die meisten in D genutzten.
Der zweite war ein Student, dessen Vater früher mehrere SL hatte und der jetzt diese Familientradition wieder aufleben lassen wollte. Er studiert Fahrzeugtechnik und weiß auf was er sich einlässt. Hat den Wagen mit einem Kenner ausgiebig gecheckt und sich dann nach kurzer Preisverhandlung für dieses Fahrzeug entschieden. Grund: Technik sehr gut, Rost quasi nicht vorhanden, Preis dafür gut. Optisch würde ich den Wagen mit einer 3 bewerten, technisch mit 2+. So sagte ich es ihm und er freute sich über die Ehrlichkeit. Freudestrahlend kam er letzten Sonntag mit seinem Vater, um den SL abzuholen.
Ich bin nun im Guten mit dem Sl auseinander gegangen. Der Käufer hat sich gefreut wie Bolle und er und sein Vater betonten, dass der SL in guten Händen sein würde und ihnen eine gute Chance auf das Wiederaufleben einer Ära in ihrer Familie geben würde.
Insofern ist es das Ende meiner Oldtimer-Ära und der Beginn einer neuen Oldtimer-Ära für einen 22-jährigen jungen Menschen.
Ich werde gern noch eine Zeit in den Foren bleiben und mitlesen, evtl. mal was kommentieren. Auch werde ich die Teile, die ich noch habe, veräußern.
Und dann werde ich mich auf die Suche nach einem Fahrzeug machen, dass mich im dritten Lebensabschnitt begleitet und mir dabei Freude macht. Schau mer ma.